Schlichtheit | MUJI Life Vol. 8
Mein erster Besuch in Japan war Anfang der Neunzigerjahre. Das war, bevor es Smartphone-Navigation gab, und ich erinnere mich, dass es schwierig war, sich mit kaum vorhandenen englischen Übersetzungen zurechtzufinden. Einmal sah ich einen Mann mit einem Sweatshirt, auf dem «Michigan University» stand, und ich hielt ihn an, um nach dem Weg zu fragen. Er sprach kein Englisch. Das ging tagelang so, da ich immer mehr Menschen sah, die fast jede US-Universität auf ihrer Brust trugen. Keiner sprach Englisch. Mir wurde klar, dass sie diese Worte lediglich als Marke trugen, um des Brandings willen. Japan ist bekannt dafür, Markenlogos zu übernehmen, die in alles integriert sind, auch wenn sie ihren Zweck meistens erfüllen, sobald der Artikel gekauft ist. Diese kulturelle Atmosphäre war ein Jahrzehnt zuvor noch stärker verbreitet. Es muss Iko Tanaka, dem Gründer von MUJI, enormen Mut abverlangt haben, ein Unternehmen namens MUJI zu gründen, was übersetzt «keine Marke» bedeutet. Die Schlichtheit seiner ursprünglichen Artikel verzichtete auf willkürliche Farben und Logos. Kunden konnten Artikel für das geniessen, was sie sind, und nicht für die unnötige Verbreitung der Markenbotschaft eines anderen. MUJI praktiziert diese Ideologie weiterhin, und da die Welt immer markenbesessener wird, nimmt die Relevanz von MUJI zu.